Es wird wärmer!

TESTBERICHT - WA12MKII und WA47jr Bundle

Bundles sind angesagt. Im Software-Bereich gibt es gar Portale, die sich auf Bundles spezialisiert haben und monatlich neue Angebote zusammenstellen, um die Kunden glücklich zu machen. Software für über 200 Euro zum Preis von 29,90! Wow, was für ein Schnäppchen. Auch bei Studio-Hardware werden Bundles schmackhaft gemacht. Uns interessierte, wie die Kombination zweier Warm Audio Produkte, bestehend aus einem WA12 MKII Mic Preamp und dem WA-47jr Mikrofon, zusammenspielt. Und neben allen Fragen zur Audioqualität zählt unter dem Strich immer: Kann so eine Kombi preislich überzeugen?

Der WA12 liegt mittlerweile in der zweiten Ausgabe vor, genauer gesagt sogar in der dritten, neu hinzugekommen sind in der MKII-Version der Output-Regler und die LED-Kette, dazu später mehr. Die orangefarbene Frontplatte ist wohl- bekannt, ziert sie doch auch das Tone Beast TB12, das wir vor einiger Zeit hier im tools-Test hatten. Tone Beast und WA12 teilen sich einen Vorfahren mit dem Namen API 312. Dieser Mikrofonvorverstärker steht seit jeher für den Rocksound schlechthin (nähere Infos zum Tone Beast TB12 finden sich im digitalen Archiv in Ausgabe 5/2015 auf www.musiccraft24.de). Weil zu einem edlen Mikro- fonvorverstärker ein amtliches Mikrofon gehört, gibt es von Warm Audio das WA-47jr. Bevor verzückt, „My Way“, „New York, New York“ oder Beatles-Klassiker intoniert werden, sei gesagt, dass das WA-47jr genau genommen ein Klon des U47 FET ist und ohne Röhre und Übertrager auskommt. Doch sogar Röhrenliebhabern kann geholfen werden: Mit dem WA47 gibt es die Röhrenvariante samt Übertrager beim Händler des Vertrauens, welches aber nicht Bestandteil dieses Bundles  ist.
WA-47jr
Wie schon erwähnt, handelt es sich beim WA-47jr um einen Nachbau eines U47 FET. Bei Warm Audio liebt man diskrete Schaltungsdesigns und so wartet das Mikrofon mit einer diskret aufgebauten Schaltung auf. Außerdem bietet es noch einige Features, auf die ein U47 FET ver- zichten muss. Zu nennen sei da die umschaltbare Richtcharakteristik für die Doppelmembrankapsel, die beim WA-47jr Niere, Kugel und Acht sein kann. Ein Hochpassfilter mit einer Grenzfrequenz von 70 Hertz ist ebenso vorhanden wie ein PAD mit 10 Dezibel. Bei der Kapsel handelt es sich um eine Warm-Audio-Version der K47- Kapsel. Gefertigt wird sie in Australien. Die Website verrät uns außerdem, dass die FETs von Toshiba stammen, während die Filmkondensatoren von Wima und Panasonic kommen.

Das Öffnen des Mikrofons ist problemlos möglich: Einfach den unteren Ring abschrauben, abziehen und schon lässt sich das Gehäuse unterhalb des Mikrofonkorbs entfernen. Es sieht alles sehr aufgeräumt und schwarz aus. Warum? Warm Audio möchte offensichtlich seine Geheimnisse nicht so gern preisgeben und hat die Platine mit Kunstharz oder ähnlichem überzogen. Meines Wissens ist das schlecht für den Service-Fall: wenn kaputt, dann kaputt ohne Chance auf Reparatur. Im Garantie-Zeitraum wird wahrscheinlich sowieso getauscht, aber was ist danach? Ansonsten ist das Mikrofon super verarbeitet und liegt mit knapp 500 Gramm recht schwer in der Hand.

Zum Lieferumfang gehören eine Halterung, eine Spinne samt Ersatzgummis und eine Tasche. Die Spinne macht einen guten Eindruck, zumal das Mikrofon sicher in ihr verschraubt wird. Das WA-47jr hält laut Anbieter einem maximalen Schalldruck von 147 Dezibel (157 Dezibel mit PAD) stand, darf also auch vor Bläsern im Nahbe- reich oder am Schlagzeug stehen. Die Empfindlichkeit ist mit 10 Millivolt/Pascal angegeben und das Eigenrau- schen mit niedrigen 10 Dezibel (A).

Glöckchen
Da der Test in die Adventszeit fiel, standen die diversen Testaufnahmen ganz im Zeichen eines großen Worship-Adventskonzerts in der benachbarten Kirche. Dafür wird in jedem Jahr ein Trailer produziert, für den eine Sprach- aufnahme erstellt werden muss. In der Regel spricht den Text ein Kind, in diesem Fall war es mein neunjähriger Sohn. Nach einigen Instruktionen zum richtigen Sprechabstand und kurzem Soundcheck ging es los. Erste Feststellung: Das Mikrofon klang trotz der Kinderstimme voluminös. Da der Junge (wie jedes Jahr zum Zeitpunkt der Aufnahme) erkältet war, musste etwas EQ her, um die Stimme oben rum aufzufrischen und die erkältungsbedingte Nasalität abzumildern. Aufgenommen wurde direkt über ein iConnect-Audio2+ Interface in den Rechner. Das WA12 MKII kam erst später an die Reihe.
WA12 MKII
Die Bezeichnung MKII deutet es schon an: Es handelt sich um eine Revision des schon länger am Markt etablierten WA12 von Warm Audio. Was unterscheidet die beiden Versionen? Zunächst einmal wäre die offensichtlichste Sache zu nennen, nämlich der Output-Regler. Er ermöglicht, wie von vielen Nutzern gefordert, das Anpassen des Ausgangssignals an das nachfolgende Equip- ment, welches auch dann nicht übersteuert wird, wenn aus klanggestalterischer Sicht eine hohe Gain-Einstellung erforderlich ist. Außerdem fällt die LED-Kette zur Aussteuerung auf. Fünf Segmente sind auf jeden Fall fünf Mal besser als keine Segmente und somit ein klarer Pluspunkt. Wie gehabt gibt es vorne einen Klinkeneingang samt HiZ-Schalter (2 Megaohm). Weitere Schalter kümmern sich um Phantomspeisung, ein 20-Dezibel-PAD, Polarität und Tone. Hinter „Tone“ verbirgt sich eine Impedanzabsenkung von 600 Ohm auf 150 Ohm. Dies lässt sich klanggestaltend für Tauchspulen- und Bändchenmikrofone nutzen. Bei Kondensatormikrofonen sind die Ergebnisse geringer ausgeprägt, es verschiebt sich aber der Gain-Bereich. Auf der Rückseite gibt es einen TRS-Ausgang, einen XLR-Ausgang und einen XLR-Eingang. Außerdem (Überraschung) einen 230-Volt-Stromanschluss für das interne Netzteil. Habe ich nicht in der Vorbereitung auf diesen Test auf Bildern einen Anschluss für ein externes Netzteil gesehen? Richtig, er ist auf vielen Produktfotos abgebildet und wird in anderen Testberichten zu Recht kritisiert. Mein Testgerät verfügt jedenfalls über ein integriertes Netzteil und müsste deshalb eigentlich als MKIII bezeichnet werden. Wie dem auch sei, ich freue mich über das heimliche Update. Die Übertrager in der Ein- und Ausgangsstufe stammen wie gewohnt von CineMag, beim Operationsverstärker handelt es sich um einen X731, eine Nachbildung des Melcor 1731. Und weil Warm Audio ein Herz für Vintage-Fans hat, lässt sich der gesockelte Op-Amp sogar austauschen. Bedienungsanleitung und Website erklären, wie man den Preamp in ein typisches DAW- Setup mit Rechner und Interface einbindet.

Test,  zwo, drei, vier
Zeit für das WA-47jr – dessen Signal durchläuft zunächst den WA12 MKII Preamp, dann das iConnect- Audio2+Interface. Abgehört wird über Kopfhörer und Event 20/20 Monitore. Der erwähnte Klangeindruck mit der Kinderstimme bestätigt sich: Das Mikrofon macht mächtig Druck. Schon die Ergebnisse mit der Nieren-Einstellung erinnern von der klanglichen Seite her stark an den sonoren Sound von Radiomoderatoren. Mit den zwei übrigen Richtcharakteristiken stehen weitere Klangfarben zur Verfügung. Besonders gut gefällt mir die Acht, etwas weniger gut die Kugel, die mir zu wenig Bauch hat und zu „hohl“ klingt. Was mir aufgefallen ist: Mit dem WA-47jr wird das Signal griffiger, schiebt sich weiter in den Vordergrund. Da ich mich nicht als Sänger bezeichnen möchte, schreibe ich mir einen kurzen Infotext zum WA-47jr auf einen Zettel und spreche diesen bei verschiedenen Einstellungen der Richtcharakteristik und in unterschiedlichen Sprechabständen. Besonders die nahe Besprechung bei Niere und Acht weiß zu gefallen.

Schön ist, dass das WA-47jr gemeinsam mit dem WA12 MKII Farbe ins Spiel bringt. Fährt man den Preamp in die Sättigung, klingt es richtig exklusiv, nicht nach einem Mikrofon für knapp 300 Euro. Ob nun tatsächlich der Klang eines U47 FET erreicht wird, vermag ich mangels eines Vergleichsobjekts nicht zweifelsfrei zu beurteilen.
Preisfrage
Das WA-47jr kostet im Online-Handel derzeit 295 Euro. Der WA12 MKII kommt – je nach Anbieter – mit Preisen zwischen 400 und 450 Euro in die eigenen vier Wände (laut Mega Audio, dem deutschen Warm Audio Vertrieb, gilt ab dem 1. Januar 2019 eine Preiserhöhung, die Redaktion). Besonders für Besitzer einfacher Audio-Interfaces, die oft eher neutral klingen, ist der WA12 MKII Preamp ein Zugewinn. Und mit dem WA- 47jr bekommt man ein gut klingendes Mikrofon, welches nicht nur mit Stimmen, sondern auch Instrumenten wie Akustikgitarre oder Schlaginstrumenten klarkommt. Zusammen entfalten beide einen ganz eigenen Charme – sicherlich kein Must-have, aber eine interessante Option allemal.

Finale
So nach dem fünften Warm-Audio-Test gestehe ich, dass ich mich immer mehr zu einem Fan dieser Produkte entwickle. Interessante und gut klingende Hardware zum günstigen Preis sind im Fernost-Inferno, welches den Musikschaffenden auf der Suche nach seinem Sound in den Online-Shops erwartet, rar gesät. Umso mehr möchte ich an der Stelle betonen, dass sich einige Hersteller auf die Fahne geschrieben haben, dass gut und günstig nicht grundsätzliche Widersprühe darstellen. Dass Warm Audio dabei sogar die Möglichkeit eröffnet, den WA12 MKII zu tweaken (austauschbarer Op-Amp), ist in dieser Preisklasse vorbildlich.

Redaktion: Markus Galla, tool4music 01/2019

Testbericht WA12MKII, WA47jr Download

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